Startseite > Aktuelles > Exkursion ins Belvedere 21
Am Donnerstag, 30.04.2026, besuchte die 2ACBT im Rahmen des Ethikunterrichts das Belvedere 21 (das ehemalige „20er Haus“), ein Museum zeitgenössischer Kunst im Schweizergarten, zwischen Hauptbahnhof und Heeresgeschichtlichem Museum. Aktuell sind drei Ausstellungen zu sehen, die interessante Bezüge zu Themen des Ethikunterrichts aufweisen, wie z.B.: die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht; Rollenklischees und die Problematik der Geschlechterverhältnisse; Identität und Wandel; Macht und Unterdrückung; Krieg und seine individuellen und sozialen Folgen.
Sandra Mujinga – Skin to Skin
Wir beginnen im zentralen Ausstellungsraum im Erdgeschoß, wo die Besucher:innen überlebensgroße identische Figuren erwarten, die ambivalente Gefühle auslösen. Verstärkt durch elektronische Musik und Spiegelobjekte wird eine Atmosphäre geschaffen, in der die Skulpturen einerseits als bedrohlich wahrgenommen werden – „Droidenarmee aus den Star Wars Filmen“, „Meeresmonster“ (Zitate von Studierenden). Fragen drängen sich auf: Was ist der Mensch? Werden Menschen in Zukunft durch KI/Roboter ersetzt?
Andererseits verkörpern die Skulpturen Verlorenheit und Einsamkeit. Durch die Vervielfältigung und Abstraktheit entziehen sich die Figuren einer eindeutigen Zuordnung. Was ist der Wert des Individuums in einer sich wandelnden, globalisierten Welt? Durch Anpassung wird man sozusagen unsichtbar. Man fällt nicht auf, um keine Nachteile zu riskieren. Liegt in der Unsichtbarkeit eine Form von Widerstand gegen Überwachung und Kontrolle? Diese und ähnliche Fragen ergeben sich bei der anschließenden Diskussion in der Gruppe.
Sue Williams – What Now
Im oberen Stockwerk können die Besucher:innen die künstlerische Entwicklung der US-amerikanischen Malerin Sue Williams mitverfolgen, die in den 1990er-Jahren Professorin für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien war. Es geht in ihrem Werk hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch, Kriegsrhetorik, Frauenfeindlichkeit und sexualisierter Gewalt an Frauen.
Was mit comic-artigen, anklagenden, aber auch verstörenden Collagen beginnt, geht über in abstrakte Bilder mit sich wiederholenden Mustern und Linien und endet (vorläufig) in bunten Farbflächen und -streifen, die bei genauerer Betrachtung menschliche Körper oder Körperteile zeigen beziehungsweise zum Nachdenken über Geschlechterverhältnisse anregen.
Williams lotet in ihren Bildern das Verhältnis von Körper und Macht/Gewalt aus. In den frühen Werken spürt man förmlich ihre Wut auf strukturelle (männliche) Gewalt gegenüber Frauen. Diese Kunst entfaltet ihre Wirkung durch das Kombinieren von persönlichen (Trauma, Erinnerung, Widerstand) und politischen Erfahrungen (Krieg, Terror, Fake News), von figürlicher Darstellung und Abstraktion und von satirischer Kritik und schockierender Deutlichkeit.
Friedl Kubelka/vom Gröller – Nicht daheim und doch zu Hause
Die in Wien lebende Künstlerin Friedl Kubelka, die sich seit 2009 als Filmemacherin Friedl vom Gröller nennt, tritt auch als Fotografin, Malerin und Zeichnerin hervor. Im Untergeschoß werden einige ihrer Werke auf Papier im Stil des Phantastischen Realismus (bekannte Vertreter dieser Richtung sind z.B. Friedensreich Hundertwasser und Franz West) gezeigt, in denen es um anthropologische Fragen geht. In den kleinformatigen, farbenfrohen und detaillierten Bildern erzählt Kubelka von grundlegenden menschlichen Erfahrungen und Gefühlen wie Liebe, Tod, Eifersucht, Freude, Isolation. Im Mittelpunkt steht das Individuum in all seiner Verletzlichkeit, mit seinen Sehnsüchten, Krisen und Träumen.
Daneben sind noch ein paar Kurzfilme in Schwarz-Weiß und ohne Ton zu sehen, die in ihrer kargen Einfachheit einen Kontrast zu den detaillierten und farbenfrohen Malereien bilden. Dennoch gibt es Parallelen zwischen den beiden Darstellungsformen, denn es geht auch in den Filmen um Grunderfahrungen des Menschseins. Als Beispiel sei die Darstellung einer Psychoanalyse-Szene genannt, bei der die Therapeutin im Film/der Therapeut im Bild durch eigene Träume oder Gedanken abgelenkt ist, was die Verletzlichkeit und Begrenztheit des menschlichen Individuums (hier in Gestalt der Therapeutin/des Therapeuten bzw. der Klientin) auf irritierende und zugleich humorvolle Weise zeigt.
Fotos und Text: Robert Stallovits